So düngst du deine Orchidee fachgerecht!

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So düngst du deine Orchidee fachgerecht!

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Januar 10, 2022
Orchidee blüht prächtig durch Dünger

Inhaltsverzeichnis

Die Orchidee, insbesondere die Schmetterlingsorchidee Phalaenopsis, gehört zu den beliebtesten Zimmerpflanzen in Deutschland. Die meisten handelsüblichen Sorten dieser eleganten Exoten blühen mit ein wenig Pflege und dem idealen Standort mehrmals im Jahr. Um ein gesundes Wachstum zu Hause zu erzielen, solltest du die Orchidee regelmäßig mit speziellem Orchideendünger düngen. In diesem Artikel erklären wir, wie und vor allem womit du deine Orchidee düngen kannst, um das Wachstum ideal zu unterstützen.

Nährstoffbedarf von Orchideen

Orchideen sind Epiphyten, also Aufsitzerpflanzen. Sie wachsen in Regionen wie Südostasien auf Bäumen und ziehen ihre Nährstoffe aus Regen und Nebel. Sie sind es gewohnt, stets kleine Mengen an Nährstoffen wie Phosphor, Kalium, Kalzium, Magnesium, Stickstoff, Zink und Mangan aufzunehmen. Diese langsame Art der Nährstoffaufnahme auf unsere Zimmerpflanzen zu übertragen, ist keine leichte Angelegenheit. Das Orchideensubstrat und Gießwasser liefern kaum Nahrung für die Orchidee. 

Glücklicherweise sind die hier erhältlichen gängigen Arten, wie zum Beispiel die Frauenschuhorchidee, Phalaenopsis oder Cattleya, sehr robust und kommen auch ohne regenwaldähnliche Luftfeuchtigkeit aus. Dennoch müssen sie gedüngt werden, um die überlebenswichtigen Spurenelemente aufnehmen zu können. Die Wurzeln brauchen außerdem viel Luft und müssen daher in lockeres Orchideensubstrat gesetzt werden. Ist das Substrat zu fein oder zu feucht, kann die Pflanze nicht atmen, keine Nährstoffe aufnehmen und verfault.

Wann und wie oft düngen?

Mehr Düngen für ein besseres Wachstum klappt leider nicht. Orchideen reagieren sehr empfindlich auf eine zu hohe Konzentration von Salzen und Nährstoffen. Manche Orchideenarten können gar nicht das ganze Jahr über Nährstoffe aufnehmen. Die Spurenelemente häufen sich dann im Substrat und beschädigen die Wurzeln. Hauptsächlich kurz vor und während der Wachstumsphase und Blütezeit solltest du deine Orchidee alle zwei Wochen düngen. 

Diese Phase erkennst du daran, dass sich neue Blätter, Stängel oder Blütenrispen bilden oder die bereits vorhandenen beginnen, deutlich zu wachsen. Nach der Blühphase und im Winter, solltest du das Intervall, in dem du deine Orchidee düngst, reduzieren. Du kannst das Düngen auch komplett einstellen. Einige Arten legen eine Winterruhe ein und sind dann anfällig für unangemessene Nährstoffkonzentrationen. Nachdem du deine Orchidee umgetopft hast, solltest du etwa vier bis 6 Wochen komplett auf Dünger verzichten. 

Flüssigdünger vs. Düngestäbchen

Da Orchideen in ihrem natürlichen Lebensraum dauerhaft sehr geringe Mengen an Nährstoffen aufnehmen, sind herkömmliche Dünger für Blüh- oder Zimmerpflanzen ungeeignet. Sie sind zu hoch dosiert und haben nicht die benötigte Nährstoffzusammensetzung. Die enthaltenen Salze können die Orchideen austrocknen und absterben lassen. Organische Dünger sind ebenfalls nicht geeignet. Die enthaltenen Nährstoffe müssen von Mikroorganismen freigesetzt werden, welche in luftigem Orchideensubstrat nicht oder nur kaum vorhanden sind. Am besten kaufst du auf Orchideen spezialisierten mineralischen Dünger. Dieser ist sehr schwach dosiert und optimal auf ihre Bedürfnisse angepasst. 

Flüssigdünger eignet sich besser, als die im Handel angebotenen Düngestäbchen für Orchideen. Flüssigdünger wird dem Gieß- bzw. Tauchwasser beigemischt und kann sich somit überall im Substrat verteilen und von allen Wurzeln gleichmäßig aufgenommen werden. Obwohl es Düngestäbchen für Orchideen gibt, sind diese nicht zu empfehlen. Die Nährstoffe können sich nicht so leicht verteilen, wie bei Flüssigdünger. Es kann sogar passieren, dass sich die Nährstoffe auf den Ort, an dem das Stäbchen steckt, konzentrieren und die Wurzeln in diesem Bereich schädigen.

Wenn du dich bereits sehr gut mit deinen Orchideen auskennst, kannst du Orchideendünger verwenden, der noch zielgerichteter ist. Hier wird zwischen stickstoffbetontem Dünger in der Wachstumsphase der Blätter und phosphorbetontem Dünger in der Blütephase abgewechselt.

Hausmittel als Alternative zum Dünger

Wenn du kein Geld für speziellen Orchideendünger ausgeben möchtest, gibt es auch verschiedene Hausmittel, die als Ersatz verwendet werden können. Diese enthalten zwar nicht die perfekte Nährstoffzusammensetzung, helfen der Orchidee aber dennoch beim Wachstum und bei der Blütenbildung. 

Kompost-Tee

Eine Möglichkeit ist aus Kompost hergestellter Tee. Da der Kompost oftmals stinkt, sich nicht oder nur sehr schwer ins Substrat mischen lässt und unter Umständen Fäulnis begünstigt, kannst du aus diesem eine Brühe herstellen, die dann zum Gießen deiner Orchidee verwendet werden kann. 

Du solltest ausschließlich Kompost aus blattreichen Pflanzen wie z.B. Salate und Gemüsepflanzen nutzen. Zur Herstellung: 

Mische in einem Eimer oder Topf pro Kilo Pflanzenkompost einen Liter kalk- und chlorfreies Wasser unter. Lasse das Gemisch mindestens 24 Stunden lang bei einer Umgebungstemperatur von etwa 20° Celsius ziehen. In dieser Zeit beginnen die Pflanzenteile zu verrotten und geben ihre Nährstoffe an das Wasser ab. Anschließend müssen nur die Kompostreste abgesiebt werden und der entstandene Kompost-Tee kann zum Gießen oder Tauchen genutzt werden.

Bier

Keine Sorge, hierbei muss kein frisches Bier verschwendet werden. Abgestandene Bierreste vom Vortag sind ein Segen für Orchideen. Um diese als Dünger zu verwenden, lasse das Bier noch einen weiteren Tag stehen und verdünne es dann mit Wasser. Alle vier bis sechs Wochen damit zu gießen, unterstützt die Orchidee durch den enthaltenen Hopfen. Außerdem kann der Biergeruch einigen Schädlingen entgegenwirken.

Bier fürs Düngen der Orchidee

Hefe

Trockenhefe versorgt die Orchidee mit reichlich Phosphor und Kalium. Während der Blütezeit, oder auch kurz davor, kommt sie daher gut zum Einsatz. Aus einem Hefewürfel (frische Hefe) kann auch eine Lösung zum Tauchen hergestellt werden: 

Rühre einen Würfel Hefe mit zehn Liter Wasser zusammen; achte darauf, dass sich dieser komplett auflöst, bevor du das Gemisch zum Tauchen deiner Orchidee verwendest.

Bananenschalen

Bananenschalen sind ein Wundermittel, das man ohnehin oft zu Hause hat. Sie enthalten wichtige Nährstoffe wie Magnesium, Kalium, Phosphor, Stickstoff und Vitamine. Um sie als Dünger für Orchideen zu verwenden, sollte man sie gänzlich austrocknen lassen und in kleine Stücke schneiden. Diese können unter das Substrat gemischt werden; idealerweise beim Umtopfen. Alternativ kannst du die getrockneten Schalen in einem Mixer zu einem Pulver zerkleinern und dieses z.B. mit Kaffeesatz kombinieren.

Eierschalen

Eierschalen enthalten Kohlenstoff, Sauerstoff und Kalzium. Entweder weichst du die Schalen in Wasser ein und nutzt es zum Gießen; oder du benutzt einfach das abgekühlte Wasser, indem du zuvor die Eier gekocht hast. Die Eierschalen selbst unters Substrat zu mischen sollte man bei Orchideen nicht tun. Die scharfen Kanten könnten die Wurzeln verletzen. Bei anderen Zimmerpflanzen in Erde kann man dies aber tun!

Knoblauch

Aus Knoblauch kannst du eine belebende Lösung herstellen, die die Blüte der Orchidee stimuliert. Am besten kombinierst du den Knoblauch mit Bernsteinsäure, indem du einen Liter Wasser erhitzt und eine Tablette der Bernsteinsäure dazu gibst. Nachdem diese sich aufgelöst hat, kannst du drei Zehen Knoblauch fein hacken und hinzufügen. Das Gemisch sollte 24 Stunden lang abgedeckt ziehen und am nächsten Tag abgesiebt werden. Die Lösung kannst du dann zum Tauchen der Pflanzen nutzen. Am besten wechselst du die Lösung mit normaler Bewässerung ab. 

Äpfel

Wenn du ein überreifes Stück Apfel in die Nähe deiner Orchideen hinlegst, stimuliert das austretende Gas Ethylen die Blütenbildung. Du solltest das Apfelstück aber nicht direkt auf das Substrat legen, da du damit Schimmelbildung riskierst. Sobald deine Orchidee blüht, musst du das Apfelstück entfernen, da das Gas dann auch frühzeitiges Verblühen bewirken kann.

Schwarzer Tee

Mit schwarzem Tee zu gießen liefert der Orchidee Nährstoffe und Energie. Du solltest allerdings keinen frisch aufgebrühten Tee nutzen, da dieser zu stark ist. Benutze den Teebeutel, mit dem du dir zuvor bereits einen Tee gemacht hast, und gieße ihn nochmals mit 250 Milliliter warmem, kalkfreiem Wasser auf und lasse ihn 20 Minuten ziehen. Dieses Gemisch kann bei jeder Bewässerung verwendet werden, ohne der Orchidee zu schaden.

Kaffeesatz

Anstatt den morgendlichen Kaffeesatz in den Müll zu werfen, kannst du ihn zum Düngen deiner Orchidee verwenden. Kaffeesatz enthält alle überlebenswichtigen Nährstoffe; Kalium, Phosphat und Stickstoff. Du kannst den Kaffeesatz einfach auf dem Substrat verteilen und ein wenig Wasser nachgießen. Sobald der Kaffeesatz vertrocknet ist, solltest du ihn entfernen. Versuche nicht ihn länger feucht zu halten, da du Schimmelbildung riskierst. Du kannst Kaffeesatz alle zwei Wochen zur Düngung deiner Orchidee nutzen.

Kaffesatz zum Düngen von Orchideen

Reis- oder Kartoffelwasser

Das Wasser, in dem du Kartoffeln oder Reis gekocht hast, ist wunderbar zum Düngen geeignet. Sobald es lauwarm ist, kannst du es zum Gießen oder tauchen verwenden. Es versorgt deine Orchidee mit Kalzium, Kalium und Vitamin B.

Anti-Baby-Pille

Diese Art der Düngung ist streng genommen keine wirkliche Düngung, da die Pille deine Orchidee nicht mit Nährstoffen versorgt. Dennoch fördert sie das Wachstum. Wenn du noch ungenutzte Anti-Baby-Pillen zu Hause liegen hast, kannst du damit deine Pflanze anregen. Lasse eine Pille in einem halben bis ganzen Liter Wasser über Nacht einweichen und nutze dieses Wasser dann zum Gießen. Dies kannst du alle vier Wochen bis sechs Monate wiederholen. Du kannst die Pille auch direkt ins Substrat stecken, so gibt sie langsam ihre Wirkstoffe ab.

Nutze diese Methode aber niemals für essbare Pflanzen oder im Garten, da die Hormone sonst von den Pflanzen aufgenommen werden und sie ins Grundwasser sickern.

Mangelerscheinungen erkennen

Normalerweise legen Orchideen nach der Blütephase eine Ruhepause ein, bei der auch die Düngung eingestellt werden sollte. Wenn die Orchidee nach einer Weile nicht von selbst neu austreibt, kann man die Düngung langsam wieder beginnen, um das Wachstum anzuregen. Wächst sie über Monate hinweg nicht, liegt dies vermutlich an Nährstoffmangel.

  • Wenn sich die Unterseiten der Blätter rot färben, fehlt es ihr an Phosphat.
  • Sind die Blätter unnatürlich hellgrün, leidet sie an Magnesiummangel.
  • Gelbe Blätter deuten auf Stickstoffmangel hin (übermäßig viele gelbe Blätter - ein oder zwei absterbende Blätter ab und zu sind normal)

Wenn der Dünger überdosiert wird, lagern sich weiße Salzkristalle im Substrat und auf den Wurzeln ab, die diese schädigen. Die Luftwurzeln können von den Salzen Verbrennungen erleiden und die Pflanze zum Absterben bringen. Der Überdüngung kannst du entgegenwirken, indem du abwechselnd mit Dünger versehenes und klares Wasser zur Wässerung nutzt. So werden überschüssige Salze von dem ungedüngten Wasser weggespült.

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Es gibt viele verschiedene organische Mittel zum Düngen deiner Orchidee, von denen du einige wahrscheinlich bereits zu Hause hast - am besten und einfachsten funktioniert aber flüssiger Orchideendünger aus dem Fachhandel. Von Düngestäbchen und regulärem Blumen- oder Pflanzendünger solltest du nicht Gebrauch machen.

Wenn es dich interessiert, wie du Orchideen in Hydrokultur halten kannst oder welche Orchideen besonders gut für Anfänger geeignet sind, haben wir den passenden Artikel für dich.

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