Engerlinge mit Kalkstickstoff bekämpfen? So gehst du vor! 

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Engerlinge mit Kalkstickstoff bekämpfen? So gehst du vor! 

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August 5, 2022
Engerlinge bekämpfen kalkstickstoff

Inhaltsverzeichnis

Deine Pflanzen sterben ab und dein Rasen sieht auf einmal krank und löchrig aus? Dann kann es sein, dass du dich mit Engerlingen in deinem Garten herumplagst. Und zwar mit schädlichen Engerlingen, also meist dem Maikäfer, dem Junikäfer oder dem Gartenlaubkäfer. Der Einsatz von Insektiziden zur Bekämpfung kommt eher nicht infrage, doch wie sieht es mit Kalkstickstoff aus? Ist der Dünger auch ein guter Engerling-Vernichter? Genau das erfährst du in diesem Artikel.

Warum Engerlinge im Rasen zur Gefahr werden 

Die Larven von Maikäfer und Junikäfer machen im Prinzip nicht viel anderes außer Fressen und Schlafen. Und wachsen. Damit aus der kleinen Käferlarve auch ein stattlicher Engerling von bis zu sechs, sieben Zentimeter Größe wird, braucht das Tier Nahrung. Die Engerlinge vom Mai- und Junikäfer haben ihren Gaumen auf Wurzeln von Rasenflächen spezialisiert. Der Golfplatz ist quasi ihre Leibspeise. Oder eben auch der Rasen in deinem Garten. Und wie so oft kommt ein Engerling selten allein. 

Die erwachsenen Käfer legen zwischen 30 und 50 Eier ab, je nach Käferart. Die Maikäfer und Junikäfer tuten es hier quasi den Aalen gleich und legen die Eier dort, wo sie einst selber geschlüpft sind. Macht Sinn, schließlich ist aus ihnen ja bereits ein fertiger Käfer geworden. Da muss der Standort zwangsläufig ein guter sein. Also schwirrt er abends über deine Wiese, sucht sich ein geeignetes Plätzchen und legt dutzende Eier tief im Erdreich ab.

Diese Schadensbilder ergeben sich konkret im Rasen 

Sobald der Frühling um die Ecke kommt, schlüpfen auch die Larven und los geht’s mit dem großen Fressen. Bei deinem Rasen macht sich der schädliche Befall von Engerlingen so bemerkbar:

  • Viele hellbraune Stellen 
  • „Vertrocknetes“ Gras lässt sich ganz einfach mit der Hand herausziehen
  • Gras ist abgefressen

Die gängigsten Vorteile von Kalkstickstoff zur Bekämpfung 

Kalkstickstoff ist keine neuzeitliche Erfindung. Schon Ende des 19. Jahrhunderts und vor allem in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Herstellung von Kalkstickstoff perfektioniert und dessen Einsatz in der Landwirtschaft vorangetrieben. Binnen eines Jahrzehntes wuchs die Anzahl an Kalkstickstofffabriken, bis nach und nach auch Harnstoff als Dünger immer populärer wurde. 

Kalkstickstoff wurde dennoch weiterhin gern genutzt, zumal es neben der Düngewirkung auch als Unkrautvernichter und in gewissem Maße eben auch als Insektizid fungiert. Wer es genauer wissen möchte: Es ist das Calciumcyanamid im Kalkstickstoff, welches eben jene Pestizid-Wirkung hat. Bei den im Handel üblichen Kalkstickstoff-Produkten finden sich meist um die 20 % Calciumcyanamid, die Hälfte ist Kalk und der Rest Nitrat und einige Bindemittel. 

Schritt für Schritt zur Anwendung von Kalkstickstoff 

Nun ist es aber so, dass Kalkstickstoff natürlich kein ungefährlicher Universalhelfer im Kampf gegen Larven ist. Das wäre ja auch zu schön, um wahr zu sein: Ein Produkt, dass Schädlinge bekämpft und gleichzeitig die Pflanzen düngt. Ja, auch beim Kalkstickstoff gibt es Für und Wider. Die Vorteile liegen auf der Hand:

  • Nitrat im Produkt ist wertvoller Nährstoffdünger für die Pflanzen.
  • Kalk sorgt für den richtigen pH-Wert im Boden.
  • Das Cyanamid wirkt als Herbizid und tötet Pilzsporen, Bakterien, junge Unkräuter, Schnecken und eben auch Engerlinge ab.

Trotz der vielen Vorteile einer Behandlung mit Kalkstickstoff gibt es bei der Verwendung auch gewisse Schattenseiten. Die folgenden Nachteile solltest du hierzu im Blick behalten:

  • Das Cyanamid tötet auch nützliche Insekten und gewünschte Jungpflanzen.
  • Da Kalkstickstoff relativ langsam abgebaut wird, sollten Kinder und Haustiere einige Zeit die Rasenfläche meiden.
  • Bei falscher Dosierung kann der pH-Wert im Boden außer Balance geraten.
  • Kalkstickstoff ist auch für den Menschen giftig!

Letzterer ist natürlich ein entscheidender Faktor, vor allem im Umgang mit Kalkstickstoff zum Bekämpfen von Engerlingen. Denn hier ist wirklich Vorsicht geboten. Nutze bei der Handhabung von Kalkstickstoff daher die folgenden Tipps, um mögliche Gefahren bei der Beseitigung zu vermeiden:

  1. Handschuhe und Schutzbrille nicht vergessen.
  2. Boden oder Rasenfläche befeuchten, sollte es lange nicht geregnet haben.
  3. Kalkstickstoff mit etwas Kompost mischen. Grundsätzlich gilt: ein Esslöffel Kalkstickstoff pro Quadratmeter Rasenfläche.
  4. Kalkstickstoff-Kompost-Gemisch auf den gesamten Rasen verteilen (Mit Schaufel und Harke, alternativ auch mit dem Streuwagen).

Die besten Maßnahmen zum Schutz vor Engerlingen 

Eine bessere Strategie, als Engerlinge mit Kalkstickstoff zu bekämpfen, ist die Prophylaxe. Am besten hältst du die geschlechtsreifen Käfer von deinem Rasen fern, so können sie erst gar keine Eier ablegen, aus denen dann die verfressenen Engerlinge schlüpfen. Und Maikäfer, Junikäfer und Gartenlaubkäfer mögen keine ordentlichen Rasenflächen. Also: Ordentlich vertikutieren im Frühjahr, Unkraut jäten und den Rasen gut düngen. So wird es für die Engerlinge schnell ungemütlich, ohne dass du eine Ausbreitung hinnehmen musst. Deine Pflanzen werden es dir garantiert danken.

Tipp:
Wer hübsche Solarleuchten auf der Terrasse statt rund um die Rasenfläche platziert, vertreibt Maikäfer und Co. mit Sicherheit aus dem eigenen Garten.

Jetzt selbst Engerlinge mit Kalkstickstoff bekämpfen!

Ist der Befall mit Schädlingen wie Maikäfer und Junikäfer zu groß, musst du natürlich Gegenmaßnahmen einleiten. Doch sei nicht zu vorschnell, mit Insektiziden gegen Engerlingen oder der Anwendung von Kalkstickstoff. Nutze stattdessen lieber die vielen biologischen Maßnahmen, da gibt es reichlich. Von A wie Amsel bis Z wie Zierpflanzen gibt es viele wirkungsvolle Methoden im Kampf gegen Engerlinge. Mehr über Maßnahmen wie Nematoden gegen Engerlinge liest du hier.

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