Bonsai aus der Natur sammeln – Yamadori

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Bonsai aus der Natur sammeln – Yamadori

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Januar 24, 2022
yamadori bonsai

Inhaltsverzeichnis

Yamadori bedeutet im japanischen “Pflanzen aus der Natur sammeln”. In den letzten Jahren ist die Königsdisziplin der Aufzucht unter Bonsai-Liebhabern immer beliebter geworden, ohne einen Yamadori Bonsai ist deine Sammlung nicht vollständig! Da die Suche eines Yamadori nicht besonders einfach ist, ist eine Besonderheit nicht nur seine Schönheit, sondern eine Erinnerung an die Suche nach dem passenden Baum.  Die Bäume können, nachdem sie aus der Natur ausgegraben wurden, unter den gravierenden Veränderungen in seinen Lebensumständen leiden. 

Der beste Zeitpunkt, um Yamadori zu sammeln

Je nachdem welche Baumart dein Yamadori angehört, kannst du ihn zu einem unterschiedlichen Zeitpunkt ausgraben. Für Fichten, Schwarzkiefer, Wacholder und Lärchen ist das Frühjahr eine sehr gute Zeit. Achte generell darauf Laubbäume bereits im Frühjahr auszugraben, bevor die Knospen anfangen anzuschwellen. 

Nadelbäume, wie Kiefern dürfen nicht in ihrer Wachstumsperiode gestört werden, daher werden sie nur von Spätsommer bis ins Frühjahr ausgraben. Der Waldkiefer wird hingegen im Frühjahr ausgegraben. Bedenke, dass im Frühjahr im Tal eine hohe Temperatur herrschen kann, währenddessen das Hochgebirge noch mit einer Schneedecke bedeckt ist, diesen Temperaturunterschied können nur wenige Pflanzen verkraften. Achte deshalb darauf, dass der Temperaturunterschied zwischen alten und neuem Standort nicht zu hoch ist.

Bei Lärchen hingegen ist nicht nur der Ausgrabezeitpunkt entscheidend, sondern die Temperatur an seinem neuen Standort. Lärchen müssen in ihrer Ruhephase ausgegraben werden, da in der Ruhephase der Saftrückzug abgeschlossen ist. 

Wenn du deinen Yamadori im Herbst ausgräbst, achte bitte darauf, dass er den Winter über keinem Frost ausgesetzt wird, da der Frost zu stressig für den Baum in seiner Lage ist.  Wenn der Baum Frost abbekommt, ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass er ihn nicht überlebt.

Wo kann ich gut Yamadoris sammeln?

Am besten eignen sich Hochgebirge, um Yamadori zu sammeln. Auf einer Höhe von 1300 bis 2200 Metern gibt es einige Bäume, die aufgrund der erschwerten Wachstumsbedingungen bereits ein fortgeschrittenes Alter haben, aber dennoch vergleichsweise klein sind und eine außergewöhnliche Form haben. Wenn du einen Yamadori züchten möchtest, kannst du dich auf die Suche nach genau diesen Bäumen machen. Besonders ausgefallene Exemplare gibt es an den auf der Grenze zur subalpinen Stufe zur alpinen Stufe auf ungefähr 2200 Metern, da die klimatischen Bedingungen dort nochmal anspruchsvoller sind. Bäume die in Steilwände oder Felsmulden wachsen, haben ein weitaus kompakteres Wurzelsystem als Bäume die in normalem Almboden wachsen. Da sie nicht viel Platz haben, um ihre Nährstoffversorgung zu sichern, ist ihr Wurzelballen kompakter und effizienter als ein Baum, der in normalen Hügellandschaften wächst. 

Wie grabe ich Yamadoris am besten aus?

Prinzipiell ist es beim Ausgraben sehr wichtig darauf zu achten, dass so viele Feinwurzeln wie möglich ausgegraben werden. Bevor du den ersten Spatenstich setzt, schaue dir die Größe der Baumkrone an. Es gibt eine Faustregel, die besagt, dass der Ausgrabungsdurchmesser ungefähr so groß sein sollte wie die Baumkrone. Schätze den Umfang ab, setze den ersten Spatenstich und hangele dich langsam am Umfang der Baumkrone voran, sodass du den Wurzelballen möglichst in einem Stück ausheben kannst. Sorge dafür, dass du nicht die Originalerde nicht vollständig vom Wurzelsystem entfernt wird.

Da die optimalen Yamadoris meistens im Hochgebirge mit steinigem Untergrund wachsen, musst du ausreichend Wasser zum Ausgraben mitbringen, da die freiliegenden Wurzeln immer mit Wasser begossen werden sollen. Um den Wurzelballen erfolgreich in einem Stück aus der Erde zu entfernen ist das entsprechende Werkzeug elementar wichtig. Wenn mit falschem Werkzeug an deinem Yamadori Bonsai hantierst, kann es passieren, dass du dem Baum schadest, ohne dir einen Mehrwert zu schaffen. Falls du dem Baum zu sehr schadest, überlebt er die Strapazen der Ausgrabung nicht und stirbt ab, damit ist niemandem geholfen.

Entferne alle Äste, die für die spätere Gestaltung unwichtig sind, sobald der Yamadori ausgegraben wurde. Du setzt den Baum einige Strapazen aus, da muss der Baum nicht unwichtige Äste am Leben halten, sondern muss seine gesamte Energie auf das Überleben der relevanten Teile konzentrieren. 

Außerdem ist es vor allem im Hochgebirge wichtig den Hohlraum, der durch deine Ausgrabung entstanden ist wieder zu schließen. Lege dazu am besten ausgegrabenes Gras, welches du zum Ausgraben entfernen musstest in den Hohlraum. Falls du den Hohlraum offen lässt, kann ein Erdrutsch entstehen. 

Tipp: Arbeite beim Ausgraben mit dem Baum und nicht gegen den Baum, das erhöht die Wahrscheinlichkeit ein schönes Exemplar mitzunehmen.

Die häufigsten Fehler bei der Ausgrabung von Yamadori

Falsche Jahreszeit

Diesen Fehler begehen vor allem Bonsai-Liebhaber, die nicht in der Nähe von Hochgebirgen leben bzw. weit weg von guten Yamadori Sammelstellen leben. Stell dir folgendes vor: Du bist in deinem Sommerurlaub in den Alpen und findest den perfekten Yamadori, allerdings ist es ein Nadelbaum, allerdings sollten Nadelbäume nicht im Hochsommer ausgegraben werden. Entscheide dich bitte nicht dafür den Baum im Hochsommer aus der Natur zu entfernen, da der Nadelbaum die Reise zu dieser Zeit des Jahres nicht überleben wird.

Zu wenige Wurzeln

Oft werden Yamadoris mit zu wenig Wurzeln ausgegraben, sodass sie von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, da sie eigenständig nicht genügend Nährstoffe aufnehmen können. Wenn du während der Ausgrabung feststellst, dass das Wurzelsystem in einen Fels gewachsen ist, lasse den Baum an seinem Platz. Hier ist die Wahrscheinlichkeit zu niedrig, dass der ohne die Felswurzeln überleben kann. Außerdem ist das Wurzelwerk des Yamadori Bonsai gut mit Feinwurzeln und Grobwurzeln durchmischt. Falls der Bonsai nur Grobwurzeln hat, kann er seine feine Grünmasse nicht mehr versorgen und wird seine Reise nicht überleben. 

Tipp: Lerne bevor du dich auf deine Yamadori-Reise begibst etwas über das Wurzelwerk der einzelnen Bonsaiarten. So wird es dir erheblich leichter fallen gute Yamadori zu identifizieren und sie heil auszugraben. Die Verzweigung der Baumkrone gibt dir oft Aufschluss über die Verzweigung der Wurzeln: Wenn der Baum sperrig verzweigt ist, dann ist die Wurzel da meistens ebenfalls.

Pflanze ist bereits krank

Vor allem dieser Fehler ist sehr ärgerlich, da selbst bei einer fehlerfreien Ausgrabung, der Baum trotzdem absterben wird. Inspiziere daher den Yamadori Bonsai von Anfang an sehr gut, um diesem Fehler entgegenzuwirken. Falls du das perfekte Exemplar entdeckst, aber auch eine Krankheit erkennst, solltest du dich darum bemühen, den Baum an seinem jetzigen Standort zu heilen und ihn erst anschließend auszugraben. 

Ungünstige Baumarten

Nicht alle Baumarten eignen sich, um einen Yamadori zu erziehen, vor allem Baumarten mit einem langsamen Wurzelwachstum (z.B. Kiefer und Lärchen) haben nur geringe Überlebenschancen. Ein Wacholder als Yamadori zu pflegen ist sehr schwer, selbst bei Profis hat Wacholder nur eine geringe Überlebenswahrscheinlichkeit. Gründe dafür sind die langen Wurzeln des Wacholders, welche nicht in einem kompakten Wurzelballen entfernt werden können.  Bei dieser geringen Wahrscheinlichkeit ist es besser den Baum in seiner freien Wildbahn leben zu lassen.  Verwende für deinen ersten Yamadori eine pflegeleichten Laubbaum. 

Wiedereinpflanzen

Wenn du deinen Bonsai heil nach Hause gebracht hast und darauf geachtet hast, dass der Wurzelballen mäßig feucht gehalten wurde, solltest du deinen Yamadori ca. ein Jahr in demselben Substrat lassen, bevor du den Baum das erste Mal umtopfst. Beim ersten Umtopfen solltest du, falls es noch nicht geschehen ist, einen radikalen Wurzelschnitt durchführen. Entferne dazu die gesamte Erde und schneide alle Wurzeln, die nach oben wachsen, mit einer scharfen Konkavzange ab und sorge für einen kompakten Wurzelballen mit einem gesunden Mix zwischen Fein- und Grobwurzeln. Deine Anzuchterde sollte aus einem Teil Akadamaerde bestehen um für eine gute Drainage zu sorgen.

Dieses Werkzeug solltest du auf deine Yamadori-Reise mitnehmen

Das richtige Werkzeug entscheidet darüber wie sorgfältig du den Yamadori aus seinem natürlichen Lebensraum entfernen kannst. Je sorgfältiger du ihn aus seinem Felsen befreist, desto besser wird er in deiner Bonsaischale wachsen. Eine der wichtigsten Werkzeuge ist eine scharfe Konkavzange, da Schnittwunden mit scharfem Werkzeug schneller verheilen als mit stumpfen bzw. Falschem Werkzeug. Dazu benötigst du folgende Werkzeuge um den Wurzelballen freizulegen und Wurzeln und Triebe entsprechend zu kürzen:

  • Klappspaten
  • Spitzhacke
  • Hammer mit einer glatter Fläche
  • Scharfe Schere / Konkavzange (sauberer Schnitt → schnellere Heilung)
  • Klappsäge / Beil
  • Verpackungsmaterial z.B. Fließ oder Sphagnummoos um das Wurzelwerk zu umwickeln 
  • Folie zum Umwickeln des Wurzelstammes gegen Austrocknung
  • Wanderrucksack
  • Ausreichend Wasser für Pflanze und Mensch

Wir hoffen, dass du den gewünschten Baum erfolgreich ausgraben kannst und ihn gesund nach Hause transportieren kannst. Falls du mehr über einzelne Bonsai-Arten, wie Azaleenbonsai, Jadebaum Bonsai oder Mädchenkiefer Bonsai erfahren möchtest, kannst du hier mehr darüber lesen. Zuletzt findest du hier eine Übersicht aller Artikel zum Thema Bonsai.

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