Keimhemmung von Samen – ohne Stratifizierung gibt es keinen Austrieb

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Keimhemmung von Samen – ohne Stratifizierung gibt es keinen Austrieb

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Januar 24, 2022
Bonsai stratifizierung

Inhaltsverzeichnis

Oft findet man in Gartencentern dieselben Bonsai-Arten, für Anfänger ist das ausreichend, jedoch möchten sich viele fortgeschrittene Bonsai-Liebhaber keinen dritten Ficus-Bonsai zulegen. Wenn du ein bisschen Vielfalt in deine Bonsaisammlung bringen möchtest, kannst du das mit neuen Arten tun. Dazu musst du nur die entsprechenden Samen zulegen und Geduld haben, das notwendige Know-How zur Stratifizierung lernst du in diesem Artikel.

Bei der Stratifizierung werden Pflanzensamen einen bestimmten Zeitraum lang bewusst Kälte ausgesetzt, um die Keimhemmung der Samen zu brechen.  

Was ist die Keimhemmung?

Keimhemmung ist ein natürlicher Schutzmechanismus der Samen, welcher sich über viele Tausend Jahre entwickelt hat. Wenn eine Pflanze im Spätsommer Saatgut abwirft, sie in die Erde gelangen und sofort keimen würden, kämen die kleinen, Stecklinge nicht über den Winter, da sie zu schwach wären. Daher keimen viele Gehölz- und Staudenarten nicht sofort, wenn sie in die Erde gesetzt werden. 

Um die Keimhemmung zu brechen, müssen die Samen einige Zeit lang bei niedrigen Temperaturen untergebracht werden, so kannst du die natürlichen Bedingungen nachstellen. Die kalten Temperaturen im Winter sind nicht der einzige Grund, wieso einige Samen stratifiziert werden müssen, um den Keimvorgang einzuleiten. Bei vielen Pflanzen ist das Saatgut im Herbst noch nicht keimfähig, da der im Nährgewebe eingebettete Keimling noch nicht vollständig ausgebildet ist. 

Verschiedene Arten der Keimhemmung

Verursacht wird die Keimhemmung von organischen Säuren im Fruchtfleisch von Beeren- und Steinfrüchten mit fleischigen Fruchtwänden (Perikarp). Wenn du eine Sache beachtest, kannst du verhindern, dass die Samen stratifiziert werden müssen: Lasse die Früchte nach der Ernte kurz anfaulen und befreie sie vom Fruchtfleisch. 

Bei Wildrosen kannst du die Keimhemmung dadurch verhindern, dass du die Samen vor der Vollreife erntest. So können Säuren, die für die Keimhemmung verantwortlich sind, nicht gebildet werden. Bei anderen Samen kann die Keimhemmung nicht verhindert werden, da sie bereits im Embryo oder im Nährgewebe fest verankert sind. In diesem Fall bleibt dir leider nur die Kalt-Stratifikation übrig.

Kalt-Stratifizierung

Bei der Kalt-Stratifizierung wird das Saatgut in Substrat eingelagert. Als Substrat für die Stratifizierung eignet sich feiner scharfkantiger Estrichsand, oder eine Mischung aus Sand und Torf sehr gut. Verwende keine normale Blumenerde für Kaltkeimer, da die Gefahr für einen Schimmelbefall durch zusätzliche Keime zu groß ist. 

Wenn du deine Samen in dein Substrat gelegt hast, decke den Kübel ab, um ihn vor Vögel und Mäusen zu schützen. Mische das Substrat über den Winter einige Male durch, sodass hartschalige Samen aufgeraut werden und einfacher keimen können.

Das Wichtigste ist der Standort des Kübels, indem die Kalt-Stratifizierung stattfindet. Er muss schattig und windgeschützt sein, sodass die Sonnenstrahlen das Substrat nicht austrocknen können. Der Kübel sollte unbedingt der Witterung ausgesetzt sein, ein Platz im Folienzelt oder Gewächshaus ist schädlich für die Stratifizierung. Die optimale Temperatur Kaltkeimer liegt zwischen zwei und acht Grad Celsius. Bodenfrost ist keine Voraussetzung für die Stratifizierung (Frostkeimer).

Warm-Kalt Stratifikation

Es gibt mehrere Methoden, um Saatgut zu stratifizierten. Die Warm-Kalt Stratifizierung verläuft ähnlich wie die Kalt-Stratifizierung, mit einem entscheidenden Unterschied: Bei der Warm-Kalt Stratifikation werden die Samen zuerst ca. zwei bis vier Wochen Temperaturen um die 20 Grad ausgesetzt. In diesem Zeitraum wird die Quellung der harten Samenschalen vorangetrieben. 

Anschließend werden die Samen dem ​​Kältereiz ausgesetzt, sodass der Vorgang der Keimhemmung vorangetrieben wird. Die Kälteperiode ist um ein vielfaches länger, als die Wärmeperiode. Der Samen braucht manchmal bis zu 30 Wochen in der Kälte, bis er zur Keimung kommt. In unserer Klimazone kann es passieren, dass es nicht lange genug kalt ist, sodass die Keimhemmung überwunden werden kann. Sei nicht enttäuscht, falls deine Samen im Frühjahr noch nicht gekeimt sind. Sorge den Sommer über dafür, dass sie im Stratifizierungskasten bleiben und achte darauf, dass der Samen nicht austrocknet und im Schatten steht. Wenn du Geduld beweist und den Samen einen weiteren Winter im Stratifizierungskasten lässt, keimt er im nächsten Frühjahr gleichmäßig.

Zu Pflanzen mit einer Samenschale zählen Zaubernuss (Hamamelis), Eibe (Taxus) und einige Schneeball-Arten (Viburnum).

Stratifizierung im Kühlschrank

Die Stratifizierung wird meistens von Gartencentern oder Forstbaumschulen durchgeführt, um eine große Menge von Samen in einem Schlag zu stratifizieren. Als Hobbygärtner hat man meistens nicht so viel Platz, um so viele Samen einen entsprechenden Lebensraum zu bieten. Deshalb gibt es eine Methode, um wenige Samen zu stratifizieren: die Kühlschrankmethode. Dabei solltest du die Kaltkeimer in ein mit Sand gefülltes offenes Glas oder Plastikbeutel tun und den Behälter in das Gemüsefach deines Kühlschrank legen. So kannst du die niedrigen Temperaturen im Winter simulieren. Allerdings spielt nicht nur die Temperatur bei der Stratifizierung eine Rolle, sondern auch die Witterung. Da es im Kühlschrank keine Witterung gibt, musst du sie künstlich nachstellen. Achte darauf, dass du das Gefäß einmal in der Woche anfeuchtest und es schüttelst. 

Falls du den Winter über zu wenig Platz im Kühlschrank hast, kannst du deine Samen auch über die Kaltmethode stratifizieren und dabei einen kleineren Stratifizierungskasten benutzen. 

Der passende Zeitpunkt zur Aussaat

Wenn du deinen Stratifizierungskasten fertiggestellt hast, kannst du ihn jede Woche überprüfen, in welchem Status der Keimung sich die einzelnen Samen befinden. Sobald der erste Samen einen Keimling entwickelt hat, kannst du anfangen alle Samen im Stratifizierungskasten auszusäen. Falls es die äußerlichen Gegebenheiten es nicht zulassen den Keimling auszupflanzen, da es noch zu kalt sein sollte, ist es das beste den Keimling zwischenzulagern. 

Nehme dazu den Keimling und halte ihn bis zum Aussatzeitpunkt  bei ungefähr minus zwei bis minus vier Grad. Bei diesen Temperaturen können die Keimlinge nicht weiterwachsen, der Vorteil an den Minusgraden ist, dass die Keimlinge nicht absterben.

Wann einpflanzen?

Die Keimlinge werden im Frühjahr, sobald es die Temperaturen zulassen eingepflanzt und gut gewässert. Falls der Samen zu früh keimt und es draußen noch zu kalt für deinen Keimling ist, kannst du ihn entweder innerhalb deiner Wohnung groß werden lassen.

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